Scheherazade in 1001 Bildern im KKL Luzern | © Obrasso Concerts

Sinfonie in Bildern

Tobias Melle

, Fotografie und Live-Projektion
Datum & Zeit

Fr. 28. April 2023, 19:30

Veranstaltungsort

KKL Luzern, Konzertsaal

Ticketpreise in CHF
1551451351259565
Zeitplan

18:30 Uhr Öffnung Kasse
19:00 Uhr Öffnung Konzertsaal
19:30 Uhr Konzertbeginn
21:45 Uhr Konzertende

Broschüre
Saisonprogramm: Obrasso Concerts 2022/23
Broschüre
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Sinfonie in Bildern: Scheherazade in 1001 Bildern von Tobias Melle im KKL Luzern mit dem Sinfonieorchester Basel

Scheherazade in 1001 Bildern von Tobias Melle

Mit der Scheherazade in 1001 Bildern schaut Der Münchner Foto­graf und Musiker Tobias Melle mit seiner eigenen Perspektive auf den Orient.

Seit mehr als 20 Jahren gestaltet Tobias Melle seine Sinfonien in Bildern. Auf klassische Musik legt er eine eigenständige visuelle Interpretation des Hörbaren und ergänzt die Musik so zu einem Gesamterlebnis. Für viele Zuhörer und Zuschauer der Gegenwart, die tagtäglich mit sinnlichen Reizen überflutet werden, und die vom Klang allein kaum noch erreicht werden, macht er so sinfonische Werke auf neue Art zugänglich. Sechs Sinfonien in Bildern hat Tobias Melle vor der Scheherazade erarbeitet, darunter Aus der Neuen Welt von Antonin Dvořák, die Alpensinfonie von Richard Strauss oder die Fünfte Sinfonie von Peter Tschaikowsky. Zuletzt transponierte Tobias Melle die Beethoven'sche Naturbegegnung in dessen Sinfonie Nr. 6 (Pastorale) mit seinen Fotografien in die Gegenwart. 

 

Programm

Erster Konzertteil ohne Projektion

MODEST MUSSORGSKY

Bilder einer Ausstellung
Gnomus
Das alte Schloss
Tuilerien
Bydlo
Ballett der Küken in ihren Eierschalen
Samuel Goldenberg und Schmuyle
Der Marktplatz von Limoges
Die Katakomben
Die Hütte der Baba Jaga
Das grosse Tor von Kiew

Instrumentierung: Maurice Ravel


Zweiter Konzertteil mit Projektion

NIKOLAI RIMSKI-KORSAKOW Scheherazade, Sinfonische Suite für Orchester Op. 35
Largo e maestoso - Allegro non troppo
Lento - Andantino - Allegro molto - Con moto
Andantino quasi allegretto - Pochissimo più mosso - Come prima - Pochissimo più animato
Allegro molto - Vivo - Allegro non troppo maestoso


Programmänderungen vorbehalten

 

Nikolai Rimski-Korsakow hatte sich das ganz anders vorgestellt. Er komponierte die sinfonische Suite Scheherazade im Sommer 1888. Zu dieser Zeit gab es in Russland und Europa eine weit verbreitete Begeisterung für alles «Orientalische». Sie war geprägt von farbenfrohen und fantasievollen Illustrationen und märchenhafter Literatur, allen voran Tausendundeine Nacht. Dieser «Orient», der Rimski-Korsakows Musik inspirierte, war ein Traumbild. Der wirkliche Orient war weit weg, unbekannt und ohne wirkliche Bedeutung. Tobias Melle hat sich das auch anders vorgestellt. Als er im Jahr 2013 zum ersten Mal die Türkei bereiste, erlebte er ein traditionsbewusstes Land im Aufbruch. Die Vorzeichen standen auf Frieden und Freiheit. Melle konnte bis an die Grenzen im Osten und Süden reisen und das Land in seiner ganzen Grösse und Vielfalt erleben. In den folgenden Jahren veränderte sich die Welt. Seit dem Jahr 2016, zur Premiere der Scheherazade in 1001 Bildern, bestimmen die furchtbaren Entwicklungen in der Region das Weltgeschehen. Die Nachrichten, die uns täglich erreichen, prägen nun unsere Sicht auf den «Orient». Das menschliche Leid rührt unser aller Herzen und berührt unsere Lebenswirklichkeit. Und mittendrin in diesem Geschehen liegt das Land, das Tobias Melle für seine Sinfonie in Bildern ausgewählt hat: die Türkei.

Mit der Scheherazade in 1001 Bildern schaut Melle mit seiner eigenen Perspektive auf den Orient. Die Türkei inspirierte ihn, die Musik war ihm vertraut. Auf monatelangen Reisen entdeckte er die Normalität einer sich überall immer ähnlicher werdenden Lebenswelt. Den Orient von heute erlebte er nur mässig orientalisch, gemessen an den Erwartungen, die im Titel «Scheherazade» anklingen. Dann entzündete sich in dieser Region ein Flächenbrand, von dem wir heute noch nicht wissen, wie er die Welt verändern wird. Ein Flächenbrand, den, wenn überhaupt, ein Kriegsreporter bebildern kann, und der mit der Scheherazade gar nicht zusammenpasst. Tobias Melle hat mit sich gerungen. Er organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen um einen Beitrag zu leisten, die akute Not zu lindern. Er spürte eine Verantwortung, die immer grösser wurde, je weiter das Projekt fortschritt. Am Ende fand er seine Lösung: Er zeigt uns ein über den Irrsinn der Nachrichten-Gegenwart hinaus angelegtes Bild – zeitloser, aber nicht weniger berührend. Melle bebildert auch nicht die gebräuchlichen, von Rimski-Korsakow selbst verworfenen Satzbezeichnungen, sondern dringt in das Land ein und zeigt sein Bild der Türkei.

Im ersten Satz wird das Buch aufgeschlagen. Das Land, und nur das Land, ist das bestimmende Thema. Vom Mittelmeer ans Schwarze Meer geht die Reise, grosse Landschaften, feindliche und liebliche Natur, vom Menschen fast unberührt. Und nur gelegentlich verzaubert vom Ornament des Geigensolos. Dann erobert der Mensch dieses Land. Der zweite Satz mutet an wie ein Panorama der ganzen Menschheitsgeschichte, erlebt und erzählt in Anatolien, der Wiege aller Zivilisation. Über Ackerbau und Viehzucht führt der Weg und bringt reich gefüllte Märkte und leuchtende Städte. Aber der üppige Lohn harter Arbeit wird mit schweren Naturzerstörungen bezahlt. Einen Weg zurück gibt es nicht. Doch es bleibt etwas über das Leben und Wirken jedes einzelnen Menschen hinaus. Im dritten Satz steht die Kultur im Vordergrund, die prachtvollen Bauten, die üppige Ornamentik, die leuchtende Farbenpracht. Selbst wenn die Derwische tanzen, zeigt Melle keine individuellen Menschen, sondern gelebte und weitergegebene Kultur, ein bewegtes Ornament. Im vierten Satz mischt sich alles zusammen zur hochbeschleunigten Gegenwart im pulsierenden und vibrierenden Istanbul. Fahnen, feiern, shoppen, rennen, die Hektik ist atemlos. Und sie läuft ins Leere, wird bedeutungslos, wenn am Ende die Dämmerung über den Ararat sinkt. Dann ist klar, dass aller Schatten nur die Natur unbeeindruckt lässt, und der Mensch selbst sein grösster Feind und einziger Freund ist in dieser Welt. Das Buch schliesst sich mit einem Abschiedskuss, der als Bild auf der schmutzigen Oberfläche der Wirklichkeit alle Trauer und alle Hoffnung in sich vereint, die Tobias Melle in der Türkei erlebt hat.

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